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Rolle der Erwachsenen im Partizipationsprozess

Die Erwachsenen, die den Partizipationsprozess begleiten, haben eine widersprüchliche Rolle inne. Sie stehen vor der permanenten, für pädagogische Prozesse typischen Aufgabe, Kindern und Jugendlichen partnerschaftlich zu begegnen und ihnen umfassende Mündigkeit und Verantwortungsfähigkeit zu unterstellen, sie aber gleichzeitig vor Überforderung zu schützen. Sie schaffen den Raum und den Rahmen, in dem Kinder und Jugendliche demokratische Erfahrungen sammeln und die Auswirkungen ihres Engagements wahrnehmen können. Sie befähigen Kinder und Jugendliche erst dazu, mit ihrer Meinungsfreiheit und ihrem Beteiligungsrecht umzugehen.

Entscheidend ist dabei die Haltung der Erwachsenen gegenüber den jungen Menschen: Sie müssen sie als mündige Subjekte wertschätzen, sie mit ihren Belangen und Interessen ernst nehmen, ihre Sichtweise anerkennen, ihnen zuhören und die Partizipation tatsächlich umsetzen. Es gilt das Prinzip der symmetrischen Kommunikation: Idealerweise befinden sich Erwachsene und Jugendliche gleichberechtigt auf Augenhöhe.

Einerseits muss Partizipationspädagogik Entscheidungen immer offen- und freistellen, andererseits muss sie die Kinder und Jugendlichen vor den Folgen falscher Entscheidungen schützen. Diese können entwicklungsbedingt nicht immer alle Folgen ihrer Handlungen und Entscheidungen absehen, sodass es beispielsweise nötig sein kann,
Einzelne vor Gemeinschaftsentscheidungen zu schützen. Bei solchen Grenzsetzungen vonseiten der Erwachsenen gilt jedoch immer, diese transparent zu machen, zu begründen und Protestmöglichkeiten einzuräumen.
  Rolle der Erwachsenen

Prinzipiell geht es darum, vorhandene Machtgefälle sichtbar zu machen und darzustellen, warum an bestimmten Stellen Entscheidungen zum Beispiel nicht in die Macht der Kinder und Jugendlichen gestellt werden. Objektiv gesehen verfügen Erwachsene meistens über die größte Entscheidungsrechte. Ein erster wichtiger Schritt in Richtung einer umfassenden Partizipationsorientierung ist also, den Beteiligten Entscheidungsstrukturen und Entscheidungsinhalte, Grenzen und Chancen bewusst zu machen und dabei immer die Machtverhältnisse offenzulegen. Echte Partizipation beginnt immer dort, wo  Kinder und Jugendliche als gleichberechtigte Partner/innen respektiert und informiert werden, bevor mit ihnen etwas unternommen oder in ihrem Namen gehandelt wird.
Erwachsenen kommt eine wichtige Rolle zu, weil sie professionelle Begleitpersonen, Unterstützer/innen und "Katalysatoren" des Beteiligungsprozesses sind.
Es gilt das Prinzip "Nur soviel wie nötig!". Die Erwachsenen müssen in der Lage sein, sich so weit wie möglich zurückzunehmen und nur zu unterstützen, zu begleiten und die jungen Menschen selbst machen zu lassen.